3.2
Nina Fischer,
Maroan el Sani and Sara Nabil

Eröffnung Dienstag, 12.09.2017 um 19 Uhr

Special opening Donnerstag, 14.09.2017 um 19 Uhr zur Berlin Art Week

Ausstellung 12.09. – 30.09.2017

Öffnungszeiten Do – Sa, 16 – 19 Uhr

Sonderöffnungen zur Berlin Art Week vom 15.-17.09. / Fr – So jeweils 15 – 19 Uhr

Finissage und Artist Talk  30.09.2017 ab 17 Uh mit Nina Fischer & Maroan el Sani

 

Teil 3.2

Concrete Castle von Nina Fischer & Maroan el Sani (D) und The lost Identities of the Century von Sara Nabil (AFG)

Die mehrteilige Installation von Nina Fischer & Maroan el Sani in den Räumen von Kurt-Kurt ist eine Berlin Premiere und besteht aus der Skulptur Concrete Castle, einer Reihe von Papierarbeiten und Grafiken und dem Film Identity’s Rule of Three, der in Kooperation mit Bertold Stallmach entstand. Im 20-minütigen Film Identity’s Rule of Three nehmen uns Nina Fischer & Maroan el Sani und Bertold Stallmach in verschiedenen Akten mit auf eine Reise. Teils reisen wir tatsächlich mit den Protagonisten von Land zu Land von Grenze zu Grenze. Teils nimmt uns das Künstlerduo aber auch mit auf Gedanken-, Erinnerungs-, Wahrnehmungs- und Reflektionsreisen. So führt der Weg vom Görlitzer Park nach Afrika und zurück zur Baustelle des Schlosses in der Mitte von Berlin. Sozusagen on the road werden aktuelle Themen wie Identität, Individuum, Lebensraum, aber auch Fragen zu Authentizität, sozialen Strukturen, Gesellschaft, Migration aufgegriffen und behandelt.

Im Zentrum steht die Frage der Identität. Ausgehend von einer psychologischen Studie zur Wahrnehmung von sich selbst stellt sich die Frage „Wie sehe ich mich und wie werde ich von den Anderen gesehen?“. Es geht aber auch um die künstlerische Identität bzw. den losgelösten, unabhängigen, freien künstlerischen Umgang mit aktuellen Themen.

Spielerisch, teilweise durch die animierten Figuren auch naiv anmutend, widerspiegelt der Animationsfilm komplexe Themen und doppelbödige Strukturen unserer Gesellschaft. Das Publikum reist aus bekannten Berliner Orten, Kontexten und Diskussionen in drei Akten nach Afrika und wieder zurück. Auf diesem Weg begegnen wir uns selbst und unserer Welt, so dass sich das Beziehungsgeflecht neu ordnet und dadurch auch zu neuen Diskussionen anregt.

Das Berliner Schloss aus dem Film wird auch als Skulptur unter dem Titel „Concrete Castle“ im Raum präsent sein. Wir sehen den Rohbau des Berliner Stadtschlosses – als Ruine, versandet, einer afrikanischen Wüste nicht unähnlich, mit einem hölzernen improvisierten Hide Out anstelle der königlichen Kuppel, unvollendet und offen für neue Bespielungen.

Die Video-Rauminstallation wird begleitet von zwei Papierarbeiten, die aus einer größeren Serie stammen und einen ganz besonderen Hintergrund haben: Stadt und Land Berlin finanzieren das Betonskelett des Berliner Stadtschlosses, während die dekorativen Elemente von privaten Spendern bezahlt und symbolisch erworben werden können. Fischer & El Sani widmen diese Kampagne um und rufen auf, anstelle des symbolischen Erwerbs einzelner Elemente des zukünftigen Stadtschlosses, durch den Kauf ihrer Papierarbeiten die Wiederbelebung der Bamun-Schrift zu unterstützen und so für den Wiederaufbau einer fast verlorenen Kultur einzutreten, die einst in der ethnologischen Sammlung Dahlem untergebracht war und bald im neuen Schloss einziehen wird.

 

Auch Sara Nabil stellt in ihrer dreiteiligen Arbeit The lost Identities oft he Century das Thema Identität ins Zentrum. Ihr Fokus liegt aber auf den verlorenen, verschwundenen, auf der Flucht gebliebenen, vom Meer verschluckten Individuen, deren Identität auf dem Weg zu uns ausgelöscht wurde. In einer Wandinstallation stellt die Künstlerin für geflüchtete Menschen, die sie in Berlin in Flüchtlingsunterkünften kennengelernt hat, Pässe aus. Es wird aber auch Pässe ohne Bild und Namen geben, die das Spektrum an möglichen Schicksalen sichtbar machen: Von Flucht mit Ankunft in einem neuen Land und einer Chance auf eine neue Identität mittels neuem Pass bis zum Verlust von Allem. Es geht Sara Nabil in ihrer Arbeit um die blinden Stellen, um das nicht Sichtbare, um das Verlorengehen von Menschenleben, ohne Identität, ohne Namen, ohne Reaktion irgendwo zwischen Syrien, Afghanistan, Tschetschenien, Eritrea etc. im tiefen blauen Meer.

Die zweite Station ihrer Arbeit ist ein großes Aquarium mit Wasser aus dem Mittelmeer. Für diese Installation bittet die Künstlerin die Besucher*innen Gegenstände von unersetzlichem, persönlichem Wert, bzw. einen symbolischen Platzhalter dafür, mitzubringen und ihr, der Künstlerin, zu erlauben, diesen unwiederbringlich im salzhaltigen Wasser des Aquariums zu versenken. Die gespendeten Gegenstände lassen uns in einem zwar nicht vergleichbaren, aber doch spürbaren Maße den Verlust von liebgewonnenen, mit starken Erinnerungen verknüpften, nicht ersetzbaren Objekten erleben.

Während der Eröffnung wird Sara Nabil die mitgebrachten Erinnerungsbilder, Briefe, Schmuckstücke, Geschenke u.ä. in einer Performance dem fiktiven Meer im Aquarium übergeben und ihre persönlichen Fragen „Wie hoch ist der Preis, den die Menschen für ihre Flucht bezahlen? Was bleibt auf der Strecke: Identität, Würde, Erinnerung, Leben…? Und wie kann dieser Wert/diese Summe, die nicht in Euros oder Dollars auszudrücken ist, dargestellt, vermittelt und sichtbar gemacht werden?“ zu Fragen von uns allen machen.

Bitte bringen Sie, wenn Sie sich an der Arbeit von Sara Nabil beteiligen möchten, bei Ihrem Besuch der Ausstellung einen persönlichen Gegenstand mit, der im Aquarium versenkt werden darf.

 

 

 

Opening Tuesday, 12.09.2017 at 7pm

Special opening Thursdy, 14.09.2017 at 7pm

Exhibition 12.09. – 30.09.2017

Opening times Thurs. – Sat., 4pm – 7pm, for Berlin Art Week from 15.-17.09. / Fri.- Sun. 3pm – 7pm   

Closing event and Artist Talk 30.09.2017 from 5pm with Nina Fischer & Maroan el Sani

 

Part 3.2

Concrete Castle from Nina Fischer & Maroan el Sani (D) and The lost Identities of the Century from Sara Nabil (AFG)

Nina Fischer and Maroan el Sani take us on a journey in their installation, Concrete Castle. In part, we travel with the protagonists of the film Identity’s Rule of Three (in cooperation with Bertold Stallmach) from country to country, from border to border. In part, the artist duo also takes us on a journey of thoughts, memories, perceptions and reflections. The path leads from Görlitzer Park to Africa and back to the palace building site in the centre of Berlin. Current topics such as identity, individuality and living space as well as questions of authenticity, social structures, society and migration are considered and dealt with on the road, so to speak. Identity is the central question. Starting from a psychological study on self-perception, they ask the question: “How do I see myself and how do others see me?” But the question is also about identity as an artist: the detached, independent, unfettered artistic handling of current themes. The animated film playfully, and to some extent apparently naively because of the animated figures, reflects the complex themes and ambiguous structures of our society. The audience travels from known Berlin locations, contexts and discussions to Africa and back in three acts. On the way, we meet ourselves and our world, and social networks are re-ordered, stimulating new discussions.

The Berlin Palace in the film will also be exhibited in the space as a sculpture titled “Concrete Castle”. We see the raw structure of the Berlin Palace – as a ruin, silted up, not unlike an African desert, with an improvised wooden Hide Out instead of the royal cupola, unfinished and open for new uses. The video installation is accompanied by two works on paper selected from an extensive series and with a very special background: the city and county of Berlin are financing the concrete skeleton of the Berlin Palace, while the decorative elements are financed by private donations and contracts for them can be symbolically submitted. Fischer & El Sani reclassify this campaign and instead of the symbolically applying to create individual elements, activate support for the revival of the Bamun script through the sale of their works on paper. In doing so, they advocate the reconstruction of an almost lost culture that was once housed in the ethnological collection in Dahlem and will soon be transferred to the new palace.

The film Identity’s Rule of Three from Nina Fischer & Maroan el Sani is realised in collaboration with Bertold Stallmach and will have its Berlin premiere in Kurt-Kurt.

All works Courtesy Galerie Eigen + Art, Berlin/Leipzig and Galleria Marie-Laure Fleisch, Brussels.

Sara Nabil’s central theme in her three-part work, The lost Identities of the Century, is also identity.  Her focus lies, however, on the lost, disappeared, constantly in flight, swallowed-by-the-sea individuals whose identities were extinguished on their way to us. In a wall installation, she displays passes given to refugees that she met in Berlin refugee accommodation centres. They are displayed, however, without name or picture, visualising the spectrum of possible fates: from flight to arrival in a new country and a chance for a new identity with a new pass to the loss of everything. Sara Nabi’s works deal with the blind spots, the non-visible, the disappearance of human life, without identity, without a name, unnoticed somewhere between Syria, Afghanistan, Chechnya, Eritrea, etc., in the deep blue sea.

The second part of her work is an aquarium filled with water from the Mediterranean Sea. For this piece, the artist is asking exhibition visitors to bring irreplaceable objects of personal value, or a symbolic substitute and to allow her to irretrievably sink them into the salty water of the aquarium. The donated objects let us experience in a not-comparable but still perceptible measure the loss of cherished, irreplaceable objects associated with strong memories.

During the opening, Sara Nabil will make a performance in which she will consign to the fictitious sea in the aquarium the brought-in souvenir pictures, letters, jewellery pieces, gifts etc., and transforms her personal questions: “ How high is the price people pay for fleeing? What falls by the wayside: identity, worth, memory, life…? And how can this value/this amount, that cannot be expressed in euros or dollars, be presented, conveyed and made visible?” into questions for us all.

If you would like to participate in Sara Nabil’s work, please bring a personal object with you that may be sunk in the aquarium.

 

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