2.2
Dinner-Lecture with
Sara Nabil

Donnerstag, 16.03.2017 um 19 Uhr

Dinner-Lecture mit Sara Nabil (Afghanistan) und mit kulinarischen Kreationen von Nikos Nicolaou

Sara Nabil ist die zweite Künstlerin im Rahmen der Projektreihe sans papiers, die während einer Dinner-Lecture am 16. März 2017 im Projektraum Kurt-Kurt ihre Arbeit vorstellt. Unser 2016 gestartetes zweijähriges Projekt sans papiers – Das Leben ist eine Reise widmet sich im Teil 2 Künstler_Innen,  die geflüchtet sind und erst seit kurzer Zeit hier leben und arbeiten. Während ihrer Präsentationen und einem dazu speziell entwickelten Dinner geben sie Einblicke in ihr Schaffen und Leben. Am gemeinsamen Tisch gibt es die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen und den langen und kurzen künstlerischen und anderen Wegen auf den Grund zu gehen.
Die Künstler_Innen kamen hier an, ohne Papiere, sans papiers, ohne deutsche Sprache und ohne Werk. In der Zwischenzeit steht ihre künstlerische Arbeit wieder im Mittelpunkt. Ihre neuen Werke sind Ausgangspunkt für eine gemeinsame Sprache und Kommunikation. Sie kommentieren, irritieren, stellen Fragen, geben Antworten, reflektieren persönliche und öffentliche Momente und bieten sich an für einen gemeinsamen Dialog.
Zusammen mit dem Berliner Koch Nikos Nicolaou wird auch diesmal ein kulinarisches Konzept entwickelt, das die Präsentation der Künstlerin Sara Nabil begleitet. Das Essen an der großen Tafel bildet den Rahmen für die Präsentationen, die überleiten in Gespräche, in einen diskursiven Austausch mit anregenden, neuen Kunstpositionen, Begegnungen und kulinarischen Genüssen.
Die Speisen sind für alle Besucher kostenfrei.

From V 2031111 to…
Sara Nabils Performance From V2031111 to… destilliert die vielen Momente aus ihren zwei Jahren des Ankommens, des Wartens, des Hoffens, des Bangens, des Kämpfens, des Zweifelns und des Weitergehens auf zwei Stunden. Sie nimmt uns mit auf ihre Reise von der ersten Nummer V 2031111, die ihr in Deutschland am Anfang auf ihrem Weg zu einer Anerkennung ihres Status als Asylbewerberin aus Afghanistan zugeteilt wurde, bis zum Heute, wo sie ein „freier“ Mensch, ein Mensch mit Pass, mit Papieren und mit der Möglichkeit ist, auch andere Reisen als Fluchten oder Behördengänge zu machen.
Um diesen Weg aufzuzeigen wird Sara Nabil in einer Performance sämtliche offiziellen Schreiben bis zur letztlichen Ausstellung ihres neuen Passes aus einem Briefkasten nehmen und an den Wänden des Projektraumes Kurt-Kurt aufhängen und kommentieren. Angekommen beim letzten Papier, beim Pass reflektiert sie den gesamten Prozess im Spiegel ihrer selbst aber auch in einer Frage-Antwort-Konversation zusammen mit dem Publikum.
Aus Sara Nabils Arbeit werden sich keine allgemein gültigen Essenzen herausdestillieren lassen. Vielmehr zeigt ihre Performance, dass jeder Mensch seinen eigenen Weg gehen muss und jede Reise eine andere ist.

Kulinarisch begeben wir uns diesmal nicht in die Heimat der Künstlerin, sondern bleiben hier in Europa. Wir alle kennen die kleine Enttäuschung, wenn der Wein, der Käse, die Schokolade, die im Urlaub gerade noch so wunderbar geschmeckt haben, zu Hause nicht mehr dieses Bouquet, diese Tiefe oder sanfte Süße haben. Das reine Lebensmittel ist zwar identisch, ihm fehlt aber die Atmosphäre drum herum, die den Geschmack ebenso prägt wie die Zutaten. Sara Nabil hat immer wieder versucht, die Gerichte aus ihrer Heimat Afghanistan 1:1 nachzukochen. Und dennoch schmeckt es hier einfach nie wie zuhause.
Diese Diskrepanz hat dazu geführt, dass sie für die Dinner-Lecture Spaghetti servieren wird, die hier überall gerne gekocht werden, in den Kitas ebenso wie in Flüchtlingsunterkünften.
Nikos Nicolaou kreiert für den Abend mit Sara Nabil drei spezielle Spaghetti-Gerichte. Die Spaghettis, die mit der ersten Generation Gastarbeiter aus Italien nach Deutschland kamen, werden auf Tellern serviert, auf deren Grund man nach dem Verzehr der langen dünnen Nudeln den Namen eines von Sara Nabils afghanischen Lieblingsspeisen lesen kann.

Sara Nabil, geboren in Kabul, Afghanistan, lebt und arbeitet seit 2015 in Wiesbaden.
Nikos Nicolaou hat im Exil gekocht.

 

Sara Nabil is the second artist in our project series, without papers – Life is a Journey, to present her work during a dinner lecture on 16th March 2017 in Projektraum Kurt-Kurt. The second part of our two-year-project is dedicated to artists who are refugees and have recently begun to live and work here. During these presentations, accompanied by a specially prepared dinner menu, the artists give an insight into their creative processes and their lives. Seated together at a table, we have the possibility to discuss and understand the long and the short artistic and other paths taken.

These artists arrived here without papers, unable to speak German and without work. In the meantime, their artwork has again become central to them. Their new works are the starting point for a common language and communication. They comment, confuse, pose questions, offer answers, reflect personal and public moments and provide the opportunity for a collective dialogue.

For this occasion, the Berlin chef, Nikos Nicolaou, is developing a menu to accompany Sara Nabil’s lecture. The table of shared food forms the basis and framework for the presentation of the artworks, which lead into discussions: a discursive exchange with new, exciting artistic positions, encounters and culinary delights.

The dishes are offered free of charge.

From V 2031111 to
Sara Nabil’s performance, From V 2031111 to…,  is a distillation of many moments from her two years of arrival, waiting, hoping, trepidation, fighting, doubting and progress into two hours. She takes us on her journey from the first number, V 2031111, that she was given in Germany on her way to acceptance of her status as an asylum seeker from Afghanistan to today. Now, she is a ‘free person`, someone with a passport, with papers and the possibility to travel where she wants instead of for bureaucratic purposes or having to flee.  

Sara Nabil’s performance will show us her path by taking the official papers she received up to the eventual arrival of her passport from a letterbox and hanging them, with comments, on the walls of Kurt-Kurt.

Arriving at the last one, her passport, she reflects on the whole process in the mirror with herself and in a question-and-answer dialogue with the audience.

Sara Nabil’s work gives us no generally applicable rules or guidelines. It shows far more that each must go his or her own way and that each journey is different.

The culinary contribution on this occasion comes not from the artist’s homeland but Europe. We all know the disappointment when the wine, the cheese, the chocolate that we consumed on holiday no longer has the bouquet, the depth or the soft sweetness once we are home. The basic foodstuff may well be identical but the atmosphere that shaped the taste as much as the ingredients is missing. Sara Nabil has repeatedly tried to recreate 1:1 the dishes of her homeland, but they just did not taste the same. So, she has decided to serve spaghetti at the dinner, a dish that is cooked everywhere, from kindergartens to refugee shelters. She and Nikos Nicolaou will create three special spaghetti dishes. The spaghetti, which came to Germany with the first Italian guest workers, will be served on plates on which the name of one of Sara’s favourite dishes can be seen after the spaghetti has been consumed.

Sara Nabil was born in Kabul, Afghanistan, and has been living and working in Wiesbaden since 2015.
Nikos Nicolaou was a cook in ‚Exil’.

 

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